Freitag, 24. August 2012

Der Erfolg des Guardian in den Neuen Medien


Zusammenfassung eines Artikels im Intelligent Life Magazine, July/August 2012

nachbearbeiteter Screenshot  von http://www.guardian.co.uk/, 24.08.12, 12:00
The Guardian galt nie als eine verkaufsstarke Tageszeitung und trotzdem kann er sich online mit der New York Times messen. Ein Drittel der Leserschaft kommt aus Amerika, was ungewöhnlich für die politische Ausrichtung und den Ton der Zeitung ist. Wie hat der Guardian das geschafft? Und wieso ist das Netzangebot kostenlos?


Über den Guardian

The Guardian ist eine von Groß Britanniens Tageszeitungen. 1821 als The Manchaster Guardian gegründet, umbenannt 1959 und mit den Nebenpublikationen The Observer und The Guardian Weekly. 2011 betrug die Tagesauflage der Printausgabe 230 541 Ausgaben. The Guardian liegt damit an Stelle 10 der großen Britischen Tagezeitungen. 

Die politische Ausrichtung des Guardians wird als liberal links eingestuft. Eine größere Bedeutung hat sich das Blatt in den Sparten Design und Verlagswesen erarbeitet und stiftet einige bedeutende Preise.
Als größte Reportageleistung gilt das Aufdecken des Abhör-Skandals der News International, in den Politiker, Zeitungen und Polizei verwickelt waren.

Nur wenige Magazine aus Groß Britannien haben es überhaupt geschafft, sich eine Leserschaft am US-Markt aufzubauen. Mit etwa einem Drittel amerikanischer Leser der Onlineausgabe und täglich 4 Millionen Klicks (2012, wachsend 60%-70% im Jahr), stellt The Guardian alle anderen Tageszeitungen in den Schatten.

Online Erfolg

Ein Grund dafür liegt im Enthusiasmus des Blattes für Neue Medien. Seit 1995 kümmert sich The Guardian um ein Onlineangebot. Dabei setzte die traditionsreiche Zeitung für den damals aktuellen Journalismus zu auch als unseriös wahrgenommene Techniken ein: Blogs, Leserkolumnen, Bürgerjournalismus (Beiträge von Nicht-Journalisten). Dazu hatte der Guardian eine Menge Zeit, Slideshows, interaktive Grafiken und Timelines zu meistern. Innerhalb von 24 Stunden landen heute bis zu 400 neue Elemente auf der Seite.

Die Nutzung sämtlicher Inhalte auf der Seite sind kostenlos. Physische Ausgaben der Tageszeitungen haben in den letzten Jahren stark an Auflage verloren. Grade für Nachrichten ist der Onlinemarkt attraktiver für viele Leser. Die Einbußen im Anzeigengeschäft haben auch den Guardian getroffen. Der größte Konkurrenz, The Times,stellte sein Onlineangebot hinter eine Paywall: Willst du lesen, musst du zahlen. The New York Times wechselte von einer Paywall später auf das freemedium Modell: 10Artikel darf man kostenlos lesen, danach muss man zahlen. Entsprechend sehen die Reaktionen auf Onlineartikel dann auch aus: Auf 10.000 Reaktionen auf Guardian-Artikel im Social Media Bereich treffen nur 256 auf die Times (2011).

Mittlerweile lässt sich der Guardian für seine Apps bezahlen (iPad etwa 13 Euro im Monat, Smartphone-App einmalig etwa 7 Euro). Das Webangebot soll und muss aber gleich bleiben:
Open journalism is journalism which is fully knitted into the web of information that exists in the world today. It links to it; sifts and filters it; collaborates with it and generally uses the ability of anyone to publish and share material to give a better account of the worldAlan Rusbridger , Editor in Chief
Juan Señor berät Zeitungen, die mit ihren Auflagezahlen zu kämpfen haben. Seine zentralen Ratschläge sind:
  •      Mehr Erklären
  •      Stärkere Grafiken
  •      Mutige Features
  •      Volle Integration von Web- und Printteam


Soziale Zeitung

Das Modell des Open Journalismus muss laut Señor nicht kostenlos sein. Eine andere Große Zeitung (Aftonbladed, Schwedisch) hat mit ihrem Bezahlmodell ihre Printausgabe an Einnahmen überholt. Der Guardian reagierte auf die Einnahmeeinbußen: Der Preis der Tagesausgabe hat sich erhöht, die Themen und Überschriften sind darauf aus, mehr Leute anzusprechen, ohne in die Boulevardpresse abzurutschen.

Ein weiteres neues Modell ist die Zusammenarbeit des Guardians mit Facebook. Liest man einen Artikel im Guardian, taucht diese Information mit Link sofort im Profil auf. Das hat einige Leute irritiert, die Zugriffszahlen auf den Online Guardian jedoch explodieren lassen. Facebook hat das genauso überrascht wie den Guardian. Plötzlich sind sowohl Google als auch Facebook sehr an den Inhalten interessiert, denn sie generieren eine Menge Traffic, eine Menge Views und Interaktion zwischen den Usern der Sozialen Netzwerke.

Die Marke The Guardian hat sich online also einigen Wert erarbeitet. Damit finanzieren kann sich die Zeitung im Moment nicht. Es wird spekuliert, dass Tageszeitungen generell keine Zukunft als Printausgaben haben. Wenn der Guardian es jedoch schafft, genug Geld mit seinem Onlinebereich zu verdienen, wird es der Zeitung besser gehen als größeren Tageszeitungen, die online noch nicht so weit sind.

1 Kommentar:

  1. The discrepancy between the success of the Guardian online and the troubles of the print business seems to start taking its toll. The Guardian aims to cut 10% of its editorial staff:
    http://www.telegraph.co.uk/finance/newsbysector/mediatechnologyandtelecoms/media/9630985/Guardian-moves-towards-compulsory-job-cuts.html

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